Interview mit dem Physiker Prof. Dr. Klaus Buchner vom 16.04.2013 in Vornbach

 

Was ist TETRA-Funk?


Wie Vornbach am Inn geht es derzeit vielen anderen Gemeinden in Bayern und deutschlandweit. Still und heimlich soll der sog. TETRA-Funk als neue Methode für den Funkverkehr der BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben), also Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr, im Land eingeführt werden.

 

In Vornbach ist die Errichtung eines 45 Meter hohen Sendemastens für TETRA-Funk geplant, der das Landschaftsbild dieses im unteren Inntal gelegenen idyllischen Dorfes, das als beliebtes Naherholungsgebiet für den Passauer Raum gilt, unwiederbringlich zerstören würde.

Mit völlig irreführenden und verharmlosenden Argumenten - z.B. man müsse etwas für die Verbesserung des Funkverkehrs für die Feuerwehr tun, oder gar endlich die „Funkstille“ beheben - wird in den Gemeinde- und Stadträten und auch bei der Bevölkerung für TETRA-Funktechnik geworben.

 

Die meisten Bürger wissen noch gar nicht, was ihnen da eigentlich angedreht werden soll.
Manch einer glaubt gar – so ist bei Gesprächen  gelegentlich zu hören -, dass jetzt endlich der Handy-Empfang im Dorf besser wird, wofür man eventuell sogar einen hässlichen Sendeturm dulden würde.

 

Aber: Was ist TETRA-Funk eigentlich?

 

„TETRA“ was abgekürzt  für „terrestrial trunked radio“(ursprünglich als „trans european trunked radio“ angedacht) steht, ist eine sog. Digitalfunktechnik. Die Technik gilt unter Experten im Grunde genommen als veraltet, ist äußerst störanfällig, wenig effektiv und kommt dem Steuerzahler äußerst teuer.

 

Das weitaus  wichtigste Argument gegen TETRA-Funk liegt in der enormen Gesundheitsgefährdung, die von dieser Funktechnik ausgeht.  Der Tetra-Funk sendet dauerhaft, 24 Stunden am Tag, nicht bedarfsgeregelt,  in Frequenzen, die für den menschlichen Körper biologisch sehr wichtig sind. Die benutzten relativ niedrigen Trägerfrequenzen von  380-395 Megahertz können tiefer  in den  menschlichen Körper eindringen als beispielsweise die Strahlung des für Handy-Telefonie genutzten sog. „GSM Mobilfunks“  (Trägerfrequenzen 900 und 1800 Megahertz). 

Die Reichweite eines Senders soll bei 25 bis 50 km liegen.

 

Dazu kommt die beim Tetra-Funk sehr gesundheitsschädigende Pulsung von 17,65 Hertz, die im Bereich der Betawellen der Gehirnaktivität und auch nahe an der Resonanzfrequenz  bestimmter Zellkommunikationssysteme liegt , von 70,6 Hertz, die im Frequenzbereich der elektrischen Aktivität der Muskeln liegt sowie von 0,98 Hertz die im Bereich der Herzrhythmik liegt.

 

Als Folge der Exposition ist  deshalb  u.a. mit Schädigungen des Immunsystems sowie der Regulation des Erbgutes (chronische Erkrankungen, Krebs), mit Neurotransmitterstörungen im Gehirn, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Erschöpfungszuständen, Depressionen, und vielen anderen Beschwerden zu rechnen.
Auch der Zusammenhang mit ADS/ADHS wird diskutiert. 

 

Es gibt viele weitere besorgniserregende Beobachtungen zu Auswirkungen des Tetra-Funks auf unsere Gesundheit.

 

Die Gesundheitsgefährdung wächst natürlich in Abhängigkeit von der Sendestärke und der Verringerung des Abstands zum Sender, ist andererseits aber auch abhängig von der individuellen Elektrosensibilität. Kinder, Schwangere,  ältere Menschen, aber auch chronisch Kranke gelten als besonders sensibel.

Es sind schädigende Auswirkungen im Bereich mehrerer Kilometer Umkreis vom Sendemast zu erwarten.

 

Besonders gefährdet sind natürlich auch die Nutzer der Endgeräte, also die Polizisten, die Mitarbeiter der Rettungsdienste sowie die Feuerwehrleute.

 

Sogar aus Sicht der Hersteller der Tetra-Funkgeräte wird die Gesundheitsgefährdung offensichtlich nicht ganz negiert:  So gibt es in den  Empfehlung für die Tetra-Funk-Nutzer (also auch für Rettungssanitäter) den sehr „praxisnahen“ Hinweis, zu Schwerverletzten, die medizinische Geräte wie Implantate, Herzschrittmacher oder Hörgeräte nutzen, einen Abstand von mindestens drei Metern einzuhalten.

 

Auch aus dem Bereich der Landwirtschaft gibt es Beispiele, wo Tierhaltung in unmittelbarer Umgebung von Funksendemasten wirtschaftlich nicht mehr möglich war, weil die Tot- und Missgeburten bei Rindern enorm angestiegen sind, und die Milchleistung nachgelassen hat.


Auch Bienen und Vögel sind durch die Auswirkungen von Tetra-Funk betroffen.


Ebenso wurden besorgniserregende Schäden bei Bäumen in der Nähe von Funkmasten festgestellt.

 

Ob die TETRA -Funk-Technik überhaupt eine Verbesserung für den Funkverkehr von Polizei und Rettungsdiensten bringen wird, ist äußerst fraglich.
Tatsache ist, dass die Kosten für dieses System mittlerweile explodiert sind, was jüngst auch schon vom Bundesrechnungshof  und vom  Bund der Steuerzahler  heftigst kritisiert wurde.
Diese Anfang der 1990er Jahre entwickelte Digitalfunktechnik war ursprünglich für kleine firmeninterne Netze angedacht. Sie erwies sich schon vor der Einführung als veraltet und sehr störanfällig. Die Datenübertragungsrate  beispielsweise ist x-fach geringer als die moderner Handys.

Das System funktioniert beispielsweise in Straßenunterführungen, U-Bahnschächten  und größeren Gebäuden nicht. Dort müssten kostenaufwändig eigene Sender nachgerüstet werden.


Von der Technik profitieren im Grunde lediglich die Betreibergesellschaften, die damit kräftig Geld verdienen!


Negative Erfahrungen gibt es auch aus anderen Ländern, die das System bereits nutzen. So fordern die Feuerwehr-Gewerkschaften in den  Niederlanden aktuell  die Abschaltung des Tetra-Funks  wegen technischer Mängel und die Rückkehr zum bewährten Analog-Funk

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In England haben 176 Poizeibeamte Klage gegen ihren Arbeitgeber erhoben, weil sie Zusammenhänge  zwischen der dort „Airwave“ genannten Tetra-Funktechnik und den bei ihnen plötzlich aufgetretenen, zum Teil schweren  Erkrankungen (u.a. Krebserkrankungen) vermuten. Auch die deutsche Gewerkschaft der Polizei rät deshalb zu einer genaueren Risikoabschätzung vor Einführung der neuen Technik.

 

In Bayern funktioniert das derzeitige Analog-Funksystem für Polizei, Rettungdienst und Feuerwehr übrigens nach wie vor bestens.

Auch in Deutschland gibt es deshalb vermehrt Überlegungen, ob man nicht doch besser die Analogfunktechnik erhält bzw. wo notwendig nach und nach auch neuere Analoggeräte zum Einsatz bringt.
Darüber hinaus könnten  von den BOS auch die  bereits gut etablierten GSM- und UMTS Mobilfunksysteme mitbenutzt werden.

 

Deutschlandweit haben sich mehrere Bürgerinitiativen gegen geplante TETRA-Funksender gegründet.

Allein in Bayern haben bis April 2013 208 Gemeinden ein „TETRA-Moratorium“  (www.tetra-moratorium.de) beantragt, wie von der Umwelt- und Verbraucherorganisation zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung “Diagnose Funk“  www.diagnose-funk.org empfohlen.

 

Der  Münchner Physiker Prof. Dr. Klaus Buchner hat schon viele Bürgerinitiativen durch seine Vorträge zum Thema TETRA-Funk unterstützt, so auch die Vornbacher Bürgerinitiative gegen TETRA-Funk, am 16. April 2013.
Durch den Vortrag in Vornbach konnten sämtliche Gemeinderäte sowie der Bürgermeister von den negativen Auswirkungen der TETRA-Technik überzeugt werden und stimmten am 23.04.2013 im Gemeinderat Neuhaus einstimmig gegen den Bauantrag zur Errichtung eines 45 Meter hohen Sendemastens auf einem schon vorverpachteten Grundstück auf dem Gemeindegebiet.

 

Prof. Dr. Klaus Buchner gilt als einer der renommiertesten Experten in Sachen Digitalfunk.
Prof. Buchner arbeitete an der TU München, am Max-Planck-Institut für Physik in München sowie in Kyoto (Japan) am Institut von Prof. Yukawa, dem Entdecker der Kernkräfte. Er ist u. a. Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Messina/Italien und Träger der Goldenen Verdienstmedaille der Universität Breslau/ Polen.

Prof. Buchner fungiert auch als wissenschaftlicher Beirat der im Mai 2013 gegründeten  Ärzteinitiative Stoppt TETRA-Funk, www.stoppt-tetrafunk.de.

 

Die Aktionen der Ärzteinitiative gegen TETRA-Funk sowie der Vornbacher Bürgerinitiative gegen TETRA-Funk wird auch unterstützt von der Passauer Kreisgruppe des Bund Naturschutz sowie vom Biokreis.

 

Alle Aktionen und Kampagnen haben zum Ziel, die Bevölkerung bzgl. TETRA-Funk aufzuklären, sodass auch frühzeitig die regionalen politischen Mandatsträger „wachgerüttelt“ werden und entsprechende Initiativen einleiten können.

 

Wenn viele Gemeinden ihre Bedenken gegen TETRA-Funk anmahnen, wird dies bald auch zu einem Umdenken auf höheren politischen Ebenen (Landtage, Bundestag) führen.

 

Zur Verteidigung der politischen Mandatsträger, die ursprünglich für die Einführung des TETRA-Funks für die BOS gestimmt haben, sei gesagt, dass diese sicherlich in guter Absicht eine Verbesserung des Funkverkehrs für Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr erreichen wollten. Offensichtlich fand vor der Abstimmung  aber auch eine massive Fehlinformation durch die Firmen statt, die nun beim Ausbau kräftig verdienen.


Es ist nie zu spät, einen Fehler einzusehen und ihn zu revidieren. Dies kann auch ein Zeichen von „Größe“ sein und könnte mancher Politikverdrossenheit von Seiten der Bürger entgegen wirken!

 

Das gemeinsame Zusammenwirken von vielen engagierten Menschen wird sicherlich dazu führen, dass am Ende die Vernunft siegen wird und TETRA von einer sinnvolleren gesundheitsverträglichen Alternative abgelöst wird!